Kuwait

Kuweit

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Ku|wait ; -s:
Staat am Persischen Golf.

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I
Kuwait,
 
 
 
Fläche: 17 818 km2
 
Einwohner: (2000) 1,984 Mio.
 
Hauptstadt: Kuwait
 
Amtssprache: Arabisch
 
 
Währung: 1 Kuwait-Dinar (KD.) = 1 000 Fils
 
Zeitzone: 1400 Kuwait = 1200 MEZ
 
Kuweit, amtlich arabisch Daulat al-Kuwait, deutsch Staat Kuwait, Staat am Persischen Golf, umfasst seit Aufteilung der »neutralen Zone« zwischen Saudi-Arabien und Kuwait 17 818 km2 (amtliche Angaben, endgültige Grenzfestlegung durch UNO-Kommission 1992), mit (2000) 1,984 Mio. Einwohnern, davon 41 % Staatsangehörige, 7 % Beduinen ohne Staatsangehörigkeit und 52 % Ausländer. Hauptstadt: Kuwaitische Amtssprache: Arabisch. Währung: 1 Kuwait-Dinar (KD.) = 1 000 Fils (100 Fils = 1 Dirham). Uhrzeit: 1400 Kuwait = 1200MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Die Verfassung vom 11. 11. 1962 bestimmt Kuwait als islamische Erbmonarchie (Emirat). Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der Exekutivgewalt ist der von der herrschenden Familie gewählte Emir. Er ernennt den Premierminister und auf dessen Vorschlag die übrigen Mitglieder des Kabinetts. Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung (75 Abgeordnete, davon 50 auf vier Jahre gewählt und 25 vom Emir ernannt). Änderungen der Verfassung bedürfen der Zustimmung des Emirs, der auch allein das Recht besitzt, den Regierungschef zu entlassen und das Parlament aufzulösen. Wahlberechtigt sind in Kuwait geborene männliche Staatsangehörige ab 21 Jahre. Eine 1999 vom Emir befürwortete und von der Regierung eingebrachte Gesetzesvorlage zur Einführung des Frauenwahlrechts wurde vom Parlament abgelehnt.
 
Parteien:
 
Politische Parteien sind offiziell nicht zugelassen. Die parlamentarische Opposition stützt sich allerdings auf parteiähnlichen islamischen Gruppierungen (Islamische Verfassungsbewegung, Islamische Volksgruppierung, Nationale Islamische Allianz) sowie säkulare Bewegungen mit liberaler Ausrichtung (Kuwaitisches Demokratisches Forum, Nationaldemokatische Versammlung, Verfassungsgruppe).
 
 
Das Wappen (seit 1963) zeigt einen Falken (Symbol der Freiheit), auf dessen Brustschild die Flagge des Landes, um 90º nach rechts gedreht, dargestellt ist; seine Flügel umschließen einen Kreis mit einer schwarzen Dau (Hinweis auf die bedeutende Rolle der Schifffahrt des Landes) auf blauweißen Wellen unter einem Schriftband mit dem Landesnamen.
 
Nationalfeiertage:
 
Nationalfeiertag ist der 25. 2.
 
 
Es bestehen fünf Verwaltungsbezirke (»muhafazat«).
 
 
Nach der Neuordnung (1960) verfügt Kuwait über ein differenziertes Gerichtswesen mit dem Verfassungsgerichtshof, einem Kassations- und einem Appellationsgerichtshof sowie einem Gerichtshof erster Instanz, einem Staatssicherheits- und einem Verkehrsgericht. In den einzelnen Verwaltungsbezirken gibt es Untergerichte mit verschiedenen Eingangszuständigkeit. Das Rechtswesen folgt weitgehend ägyptisch-europäisches Vorbild, das Personen- und Familienrecht jedoch islamisches Recht. Die Todesstrafe wird bei Landes- und Hochverrat verhängt.
 
 
Die Gesamtstärke der nach dem 2. Golfkrieg von 1991 völlig neu aufgebauten Armee beträgt rd. 18 000 Mann (bis 2002 sind etwa 40 000 Mann geplant). Das Heer (15 000 Soldaten) gliedert sich in eine Panzerbrigade und zwei mechanisierte Brigaden sowie ein Bataillon Spezialkräfte. Die Luftwaffe hat 2 000, die Marine 1 000 Mann. Die Ausrüstung besteht im Wesentlichen aus etwa 300 Kampfpanzern, rd. 80 Kampfflugzeugen sowie 18 Kleinen Kampfschiffen. - Das Emirat verwendet etwa 20 % der Staatsausgaben für die Verteidigung.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Kuwait umfasst eine sanft nach Westen ansteigende Küstenebene am Nordwestende des Persischen Golfes, daneben die Schwemmlandinseln Warbah und Bubian vor dem Schatt el-Arab. NO-SW verlaufende Hügelketten gliedern die sonst eintönigen Sand- und Schotterwüsten. Trinkwasser wird durch Meerwasserentsalzung gewonnen. Das Klima ist mit Ausnahme der Wintermonate heiß und regenlos, an der Küste sehr schwül. Die geringen Niederschläge (durchschnittlich 100 mm im Jahr) fallen im Winter. Im Januar können die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken. Klima und Böden bedingen einen Wüstenraum, rd. 10 % des Landes sind Steppengebiete, die als nomadische Weideflächen genutzt werden. Die während des 2. Golfkrieges (1991) ausgelösten über 700 Brände von Erdöl- und Erdgasquellen sowie Förderanlagen verursachten schwere Umweltschäden, konnten aber mit internationaler Hilfe bis Ende 1991 gelöscht werden. Historischer Ansatz der Besiedlung war der außerhalb des Verlandungsbereiches des Schatt el-Arab in einer geschützten Bucht gelegene Hafen Kuwait.
 
 
Die Einwohner des Landes leben zu 90 % in der Hauptstadt Kuwait und den unmittelbar im Süden (Hawalli, Ahmadi, Farwaniya) und Westen (Jahra) angrenzenden Vororten. Seit Beginn des Erdölexportes (Burgan-Feld, 1946) wuchs die Bevölkerung durch Zustrom ausländischer Arbeitskräfte (1989: 84 % der Erwerbstätigen) stetig an. Die prägende Gruppe der Palästinenser (1989: 0,4 Mio.) musste jedoch als angeblicher Sympathisanten Iraks 1991 mehrheitlich das Land verlassen. Ägypter, Syrer, Süd- und Ostasiaten nehmen jetzt ihre Stellen ein; man strebt eine höhere Aktivitätsrate der Kuwaiter (1989: nur 21 %) und eine bessere Integration der kuwaitischen Frauen in den Arbeitsmarkt an. Die Nachwirkungen der irakischen Invasion belasten heute den ersten arabischen Wohlfahrtsstaat, in dem Infrastruktur, Energie, Grundnahrungsmittel, Kultur und Ausbildung auch für Kuwaiti nicht mehr in gleichem Maße wie früher subventioniert bleiben können. Als Kuwaiti gelten die ausschließlich muslimischen Staatsbürger, deren Familien seit 1920 in Kuwait ansässig sein müssen.
 
 
Rd. 93 % der Bevölkerung sind Muslime. Etwa 70 % bekennen sich zum sunnitischen Islam, der eine wahhabitische Prägung hat; rd. 23 % sind Schiiten. Die Verfassung bestimmt Kuwait als »islamischen Staat«, wobei jedoch die Religionsausübung der in Kuwait lebenden Ausländer toleriert wird, die anderen Religionen angehören. Das Herrscherhaus bekennt sich zum sunnitischen Islam. Die Mehrheit der rd. 5,3 % Christen gehört der katholischen Kirche (Apostolisches Vikariat Kuwait) und dem mit der katholischen Kirche unierten melkitischen »Patriarchat von Antiochia und dem ganzen Orient, Alexandria und Jerusalem« (Vikariat Kuwait) an, die Übrigen verschiedenen Ostkirchen (koptisch-, syrisch-, griechisch-orthodox, armenisch) sowie der anglikanischen Kirche und protestantischen Kirchen (v. a. der »Nationalen Evangelischen Kirche in Kuwait«). Weiterhin bestehen zahlenmäßig kleine religiöse Minderheiten der Hindus (rd. 2 %), Bahais und Buddhisten (aus Sri Lanka).
 
 
Es besteht allgemeine Schulpflicht, an den staatlichen Schulen (von über 80 % der Schüler besucht) Schulgeld- und Lehrmittelfreiheit. Jungen und Mädchen werden im Allgemeinen getrennt unterrichtet. Unterrichtssprache ist Arabisch. Neben dem allgemein bildenden Schulwesen (Grundschule 7.-11., Mittelschule 11.-15., Oberstufe 15.-19. Lebensjahr) sind auch Kindergärten, das Sonderschulwesen und das berufliche Schulwesen gut ausgebaut, ebenso die Erwachsenenbildung. Die Analphabetenquote beträgt 20 %). In die Universität (1966 eröffnet) sind auch die Ingenieurwissenschaften integriert. Ferner gibt es eine Hochschule für Technologie und Fernmeldewesen.
 
 
Die Tageszeitungen in arabischer Sprache (»As-Siyasa«, »Al-Qabas«, »Al-Ray al-Amm«, »Al-Anba«) erreichen Auflagen bis 120 000 Exemplare; in Englisch erscheinen die »Kuwait Times« (gegründet 1963) und die »Arab Times« (gegründet 1977). - Nachrichtenagentur: »Kuwait News Agency« (KUNA, gegründet 1976, öffentliche Körperschaft), Sitz: Kuwaitischen - Rundfunk: Die staatliche Rundfunkgesellschaft »Kuwait Broadcasting SCE« (gegründet 1951) verbreitet zwei Inlandprogramme und einen Auslandsdienst in Arabisch, ferner besondere Inlandprogramme in Englisch, Urdu und Persisch. »Kuwait Television« (gegründet 1957 als Privatgesellschaft, 1961 verstaatlicht) sendet auf fünf Kanälen in Arabisch, seit 1979 ein Programm in Englisch.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Seit Beginn der Erdölförderung im Jahr 1946 ist das Land vom Erdölexport geprägt. Zwar ging das Bruttosozialprodukt (BSP) pro Einwohner von (1980) 19 830 US-$ auf (1995) rd. 17 390 US-$ relativ zurück, doch ist Kuwait immer noch einer der reichsten Staaten der Dritten Welt.
 
 
Knapp 2 % der Erwerbstätigen erwirtschaften in diesem Bereich (1994) 0,3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Da nur 0,3 % des Landes agrarisch genutzt werden können (Bewässerung der Anbauflächen mit entsalztem Meerwasser, zum Teil in Treib-/Kühlhäusern) werden 80 % der Lebensmittel importiert (z. B. 1992 Getreide für 132 Mio. US-$). Die Bodenzerstörung 1990/91 durch austretendes Rohöl und Ruß behindert die Erreichung des Vorkriegsstandes (80 000 t Gemüse). Auch die Viehbestände (Rinderstallhaltung, Hühner, Schafe) erholen sich nur langsam.
 
 
Die Fischerei erreicht mit 125 000 t (1994) das Vorkriegsniveau und deckt den einheimischen Bedarf, daneben geringe Exporte.
 
 
Die Erdölwirtschaft ist mit einem Anteil am BIP von (1994) 49 % bei weitem der wichtigste Wirtschaftszweig. Nach der Rekordförderung 1972 von 140 Mio. t und der fast völligen Zerstörung der Anlagen 1990/91 (Produktion 1991: 9,5 Mio. t) wurden 1994 wieder 99 Mio. t Erdöl (3,3 % der Weltproduktion, dort an 11. Stelle) gefördert. Mit 13 Mrd. t verfügt Kuwait weltweit über die viertgrößten sicheren Erdölreserven. Die Vorräte des mit Erdöl assoziierten Erdgases schätzt die OPEC für ihr Mitglied auf 1 500 Mrd. m3, wovon 1993 5,2 Mrd. m3 gefördert wurden. Mit Erdgas werden die heim. Industrie-, Elektrizitäts- und Meerwasserentsalzungsanlagen versorgt, daneben werden 2,7 Mio. t Flüssiggas per Tanker exportiert. Dachgesellschaft der seit 1977 staatliche Kuwait Petroleum Corporation und Arab Oil Company (ehemalige neutrale Zone) ist die staatliche Kuwait Petroleum Corporation (KPC, seit 1980).
 
 
Die drei staatlichen Raffinerien in Mina Abdulla, Ahmadi und Schuaiba sind bis 1995 wieder aufgebaut worden und verarbeiten bei einer Kapazität von 42 Mio. t/Jahr rd. 50 % des geförderten Rohöls. Auch die Düngemittelwerke von Schuaiba produzieren nach Rekonstruktion wieder 1 Mio. t Ammoniak und 0,9 Mio. t Harnstoff. Chlorfabriken verarbeiten die Abfälle der Meerwasserentsalzungsanlagen zu Chlor, Soda und Industriesalzen. In Anbetracht der politischen Situation investiert jedoch die Kuwait Investment Authority weltweit im Bereich Raffinerien (40 Mio. t Kapazität in Europa und Asien), petrochemische Betriebe und der Erdölexploration außerhalb des Landes. In Kuwait selbst sind nur noch Konsum- und Baustoffgüterindustrie (Zement) von Bedeutung.
 
 
Mit der Wiederinbetriebnahme aller Erdölfelder bestehen die Exporte (1994: 7,9 Mrd. US-$) wie vor dem Krieg zu 93 % aus Erdöl (roh und raffiniert). Der durch die geringeren Importe (3,3 Mrd. US-$) entstehende Außenhandelsüberschuss kann aber die negative Kapitalbilanz (Gastarbeiterüberweisungen, Zahlungen an USA) nicht ausgleichen. Handelspartner sind die EU und die USA, Energieexporte gehen zu 46 % nach Ostasien (Japan), zu 32 % nach Europa und zu 25 % nach den USA. Die Haupteinkünfte des derzeit defizitären Staatshaushaltes kommen zu 85 % aus den Einnahmen der Erdölwirtschaft. Die Zinseinkünfte aus den Kapitalanlagen im Ausland gingen zurück, die Verluste während und nach dem Krieg (Zahlungen an die USA) haben Reserven und Anlagenkapital von 100 Mrd. US-$ weltweit auf 35 Mrd. US-$ schrumpfen lassen. Das Kuwait Investment Office (KIO, Sitz: London) verwaltet die Auslandsanlagen, die u. a. aus Minderheitsbeteiligungen an Industriebetrieben (z. B. in Deutschland an Hoechst, Daimler-Benz, Siemens) bestehen. An den auf 170 Mrd. US-$ geschätzten Schäden der irakischen Invasion und den rd. 38 Mrd. US-$ hohen Kosten für die militärische Befreiung (insbesondere an die USA) hat Kuwait noch lange zu tragen. Die bisher großzügig gewährleistete Auslandshilfe und der weitere Aufbau des 1976 für die Zeit nach der Erdölwirtschaft von der Regierung gegründeten Fonds für künftige Generationen (Fund of Future Generations), dem jährlich 10 % der Erdöleinnahmen zuzuführen sind, müssen in Zukunft wohl reduziert werden.
 
Verkehr:
 
Das vorbildliche Straßennetz mit 4 500 km Länge wird von der voll motorisierten Bevölkerung (800 000 Kfz) intensiv im Binnenverkehr genutzt. Landverbindungen gibt es derzeit nur zu Saudi-Arabien (zwei Übergänge). Internationale Verbindungen bietet der Flugverkehr (Flughafen Kuwait) sowie ein hervorragendes Telefonnetz (550 000 Leitungen). Die Häfen von Schuwaich (südwestlich der City) und Schuaiba versorgen das Land mit Importen, die Erdölexporte nutzen Ahmadi und Mina Abdulla, zum Teil mit eigener Tankerflotte (Kapazität: 1,6 Mio. BRT).
 
 
Das Gebiet des heutigen Kuwait war bereits in der Mittelsteinzeit besiedelt. Ab 636 gehörte es zum Kalifat. Im 16. Jahrhundert fassten die Portugiesen Fuß im Persischen Golf und errichteten bei Kuwait, das bis ins 19. Jahrhundert eher unter dem Namen Grain bekannt war, ein Fort. Um 1716 ließen sich Angehörige des arabischen Stammes Kutub in Kuwait nieder, deren Scheichs aus der Familie Al Sabah seit 1756 in Kuwait regierten. 1829 erkannte Kuwait die osmanische Oberhoheit an, die 1871 (durch administrative Maßnahmen) vorübergehend ausgebaut wurde. Von ihr suchte Kuwait sich durch einen Schutzvertrag mit Großbritannien (23. 1. 1899 zu lösen, doch erst durch die britisch-türkische Konvention vom 29. 7. 1913 (nicht ratifiziert) wurde es als autonomes Gebiet innerhalb des Osmanischen Reiches bestätigt. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam Kuwait unter britisches Protektorat; 1921 legte Großbritannien nach Grenzstreitigkeiten mit Saudi-Arabien und Irak die kuwaitischen Grenzen neu fest.
 
Zwischen den beiden Weltkriegen wurden in Kuwait Erdölfunde gemacht (1938 Entdeckung des Erdölfeldes von Burgan). Die planmäßige Erdölförderung (seit 1946 Erdölexport, seit 1960 auch Erdgasexport) führte nicht allein zu einer Modernisierung der Wirtschaft, sondern auch zu Veränderungen in der sozialen Struktur des Landes. Mit der Aufhebung des Schutzvertrages von 1899 durch Großbritannien (19. 6. 1961 gewann Kuwait unter Scheich Abdullah as-Salim Al Sabah (1950-65) seine volle staatliche Unabhängigkeit. Im Juli 1961 wurde es Mitglied der Arabischen Liga, im Mai 1963 der UNO. 1963 verzichtete Irak auf seine Ansprüche auf Kuwait und erkannte dessen Unabhängigkeit an; 1967 und 1973 brachen die Grenzstreitigkeiten mit Irak erneut aus. 1974/75 wurden die im ausländischen Besitz befindlichen Erdölfördergesellschaften verstaatlicht. Nachfolger von Scheich Sabah as-Salim Al Sabah (1965-77) wurde 1978 Jabir al-Ahmad Al Sabah. Unter dem Eindruck der islamischen Revolution in Iran (1979) und der Möglichkeit ihres Übergreifens auf die Nachbarländer wuchsen die Spannungen zwischen Kuwait und Iran. Kuwait beteiligte sich 1981 an der Gründung des Golfrates und unterstützte im 1. Golfkrieg (1980-88) die irakische Seite (v. a. politisch und wirtschaftlich). Im Anschluss an Streitigkeiten zwischen Irak und Kuwait über die beiderseitige Erdölförderpolitik sowie über gegenseitige Grenzverletzungen (bei der Erdölförderung) marschierten irakische Truppen am 2. 8. 1990 in Kuwait ein. Unter Berufung auf (umstrittene) historische Ansprüche annektierte Irak am 8. 8. 1990 Kuwait und erklärte es am 28. 8. 1990 zu seiner »19. Provinz«. Unter dem Druck seiner militärischen Niederlage im 2. Golfkrieg (17. 1.-28. 2. 1991) annullierte Irak Anfang März 1991 die Annexion Kuwaits, in dem der Krieg schwere Zerstörungen und Umweltschäden (besonders durch in Brand gesetzte Ölquellen) angerichtet hatte. Im selben Monat kehrte Scheich Jabir al-Ahmad Al Sabah aus seinem Exil in Saudi-Arabien (seit 2. 8. 1990) zurück. Im April 1991 beschloss der Sicherheitsrat der UNO, nach Kuwait eine Friedenstruppe zur Überwachung der kuwaitisch-irakischen Grenze zu entsenden (UNIKOM).
 
Nach dem Rückzug der irakischen Truppen ging die kuwaitische Regierung ihrerseits - auch unter Verletzung von Menschenrechten - gegen Sympathisanten Iraks (gegen Iraker oder in Kuwait arbeitende Palästinenser) vor. Durch ein Sicherheitsabkommen mit den USA (September 1991) und ein Verteidigungsabkommen mit Russland (November 1993) suchte Kuwait seine Sicherheit nach außen zu verbessern. Am 5. 10. 1992 fanden die ersten Parlamentswahlen seit 1986 statt. Im Mai 1993 bestätigte der Sicherheitsrat der UNO die Verschiebung der irakisch-kuwaitischen Grenze im Bereich der irakischen Hafenstadt Umm Kasr zugunsten Kuwaits; die neue Grenze weitete auch die kuwaitische Souveränität im Gebiet der Ölfelder von Rumaila aus. Aus den Parlamentswahlen vom 7. 10. 1996 gingen islamistische Gruppen gestärkt hervor. In den Wahlen vom 3. 7. 1999 erzielten die liberalen Kräfte beträchtliche Stimmengewinne v. a. auf Kosten des Regierungslagers; die Islamisten konnten ihre Position behaupten.
 
 
H. R. P. Dickson: K. and her neighbours (London 21968);
 F. H. Kochwasser: K. Gesch., Wesen u. Funktion eines modernen arab. Staates (21975);
 A. M. Abū-Ḥākima: The modern history of K. 1750-1965 (London 1983);
 
Die kleinen Golfstaaten, hg. v. F. Scholz (1985);
 A. Al-Musa u. K. McLachlan: Immigrant labour in K. (London 1985);
 H.-U. Schwedler: Arbeitsmigration u. urbaner Wechsel. Eine Studie über Arbeitskräftewanderung. .. am Beispiel K.s (1985);
 B. J. Slot: The origins of K. (Leiden 1991);
 J. Crystal: K. The transformation of an oil state (Boulder, Colo., 1992);
 C. J. Stoeger: K. Geburt u. Wiedergeburt eines Wüstenstaates (Mödling 1992);
 
Iraq and K., hg. v. M. Weller (Cambridge 1993).
II
Kuwait,
 
Kuweit, Hauptstadt von Kuwait am Nordwestende des Persischen Golfs, in geschützter Lage am Südufer der Bucht von Kuwait gelegen; Kuwait City (Capital Area) hat nach Kriegszerstörungen (1995) 193 000 Einwohner (50 % Ausländer), baulich eng verflochten sind die unmittelbar angrenzenden Vororte Hawalli (467 000 Einwohner), Ahmadi (264 000 Einwohner) und Farwaniya (430 000 Einwohner). Als Handelsplatz und Zentrum von Perlenfischerei und Bootsbau hatte Kuwait 1914 rd. 25 000 Einwohner. Aus der unscheinbaren Hafenstadt mit ungepflasterten Straßen und eingeschossigen Lehmziegelhäusern ist seit 1950 eine moderne Großstadt mit Universität, internationalen Banken, Stahlbeton-Geschäftshäusern in der City und großzügig geplanten Villenvierteln in den Außenbezirken entstanden.
 
 
Ein Wahrzeichen sind seit 1979 die »Kuwait Towers« (Wassertürme). Der Wiederaufbau des Nationalmuseums (1976-81 nach Entwurf von M. Ecochard erbaut, 1991 ausgebrannt) ist geplant. Die Gebäude des Flughafens (1981) sind ein Werk von Tange Kenzō, das Parlamentsgebäude (1983) schuf J. Utzon.

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Ku|wait [auch: 'ku:vait]; -s: Scheichtum am Persischen Golf.

Universal-Lexikon. 2012.

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